Kurz gesagt: Dein kalendarisches Alter zählt die Jahre seit deiner Geburt. Dein biologisches Alter zeigt, wie weit dein Körper im Vergleich zu Gleichaltrigen gealtert ist. Wie groß der Abstand bei den meisten Menschen ausfällt, zeigt die Tabelle unten: Die Hälfte der Erwachsenen liegt höchstens etwa fünf Jahre über oder unter dem typischen Wert ihrer Altersgruppe.
Biologisches Alter: Tabelle nach Altersgruppe
Die Tabelle beantwortet eine einfache Frage: Wie weit liegen Menschen gleichen Alters beim biologischen Alter auseinander? Grundlage sind 431 Speichelproben von Erwachsenen zwischen 18 und 88 Jahren aus fünf öffentlichen Forschungsdatensätzen, ausgewertet mit fünf etablierten epigenetischen Uhren.
| Alter | Proben | Mittlere Hälfte | 8 von 10 |
|---|---|---|---|
| 18 bis 39 | 65 | −4 bis +5 | −7 bis +8 |
| 40 bis 59 | 108 | −5 bis +2 | −7 bis +7 |
| 60 bis 79 | 223 | −6 bis +4 | −8 bis +11 |
| 80 und älter | 35 | −4 bis +9 | −10 bis +14 |
So liest du die Tabelle: Alle Werte sind Jahre. Null ist der typische Wert deiner Altersgruppe. Minus heißt biologisch jünger als Gleichaltrige, Plus heißt älter. Liegt eine 50-Jährige fünf Jahre unter dem typischen Wert, gehört sie etwa zum jüngsten Viertel ihrer Altersgruppe.
Männer und Frauen unterscheiden sich im Speichel um weniger als ein Jahr, deshalb zeigt die Tabelle beide zusammen. Ab 80 ist die Spanne breiter, weil es dort weniger Proben gibt und die Unterschiede zwischen Menschen mit dem Alter wachsen.
Einen Grenzwert für gesund oder krank zeigt die Tabelle nicht. Sie gleicht außerdem eine Eigenheit aller epigenetischen Uhren aus: Junge Erwachsene schätzen sie im Schnitt älter ein, Hochbetagte jünger. Ein Plus bei jungen Erwachsenen geht deshalb zum Teil auf das Verfahren zurück und nicht auf den Körper. Die Tabelle vergleicht darum jeden mit Gleichaltrigen statt direkt mit dem Kalender.
Methode: Je Probe der Median aus fünf epigenetischen Uhren, darunter die von Horvath und Hannum, verglichen mit dem typischen Wert gleichen Alters und Geschlechts in denselben Daten. Ein Teil der Proben stammt aus Studien mit Patientengruppen. Ohne die Proben aus der Parkinson-Studie verschieben sich die Grenzen um höchstens drei Jahre. Eigene Auswertung, September 2026.
Was biologisches und kalendarisches Alter unterscheidet
Das kalendarische Alter ist eine Zählung, das biologische eine Messung. Dein kalendarisches Alter, auch chronologisches Alter genannt, ergibt sich aus deinem Geburtsdatum und ist auf den Tag genau.
Dein biologisches Alter beschreibt den Zustand deines Körpers. Zwei Menschen mit demselben Geburtsjahr unterscheiden sich in Blutdruck, Entzündungslage, Muskelmasse und in chemischen Markierungen an ihrer DNA. Ein Modell für das biologische Alter vergleicht solche Merkmale mit einer großen Referenzgruppe und fragt: Welchem Alter ähnelt dieses Profil am meisten? Ähnelt dein Profil eher Jüngeren, liegt dein biologisches Alter unter dem kalendarischen.
Warum DNA-Methylierung die führende Methode ist
Von allen Wegen, das biologische Alter zu bestimmen, gilt die DNA-Methylierung in der Forschung als der aussichtsreichste. Zu diesem Ergebnis kam eine Übersichtsarbeit, die 2017 sechs Verfahren verglich, darunter Telomerlänge, Proteine, Stoffwechselprodukte und klinische Blutwerte (Jylhävä et al., EBioMedicine, 2017).
Methylierung heißt: An bestimmten Stellen deiner DNA sitzen kleine chemische Markierungen. Sie verändern deine Gene nicht, aber sie steuern mit, welche Gene aktiv sind. Mit den Jahren verschiebt sich dieses Muster auf gut vorhersagbare Weise. Eine epigenetische Uhr liest das Muster an ausgewählten Stellen und rechnet es in Jahre um. Das funktioniert ähnlich wie beim Knochenalter, das eine Ärztin auf dem Röntgenbild eines Kindes abliest: Der Körper zeigt sein Alter, unabhängig vom Geburtsdatum.
2013 zeigte der Biostatistiker Steve Horvath, dass sich aus dem Methylierungsmuster das Alter fast jedes Gewebes auf wenige Jahre genau schätzen lässt (Horvath, Genome Biology, 2013). Der LIFETIME AGE & DNA-Test orientiert sich an seiner Methode, kommt aber mit deutlich weniger Messstellen aus. Die Probe ist Speichel, den du zu Hause abgibst, analysiert wird bei Eurofins Genomics nach ISO 17025.
Was dein Abstand über dich aussagt
Mehr als eine Momentaufnahme. In zwei schottischen Geburtskohorten ging ein höheres epigenetisches Alter mit einem höheren Sterberisiko einher: Je Standardabweichung, also etwa so viel, wie Menschen typischerweise voneinander abweichen, stieg das Risiko im Beobachtungszeitraum um 22 Prozent (Marioni et al., International Journal of Epidemiology, 2016). Das ist ein Befund über große Gruppen und keine Prognose für eine einzelne Person. Er zeigt aber, dass der Abstand etwas über den Körper aussagt.
Ein oder zwei Jahre Unterschied liegen bei jeder Messung im Bereich der Messstreuung. Aussagekräftig wird es, wenn du deutlich außerhalb der mittleren Hälfte deiner Altersgruppe liegst, also grob mehr als fünf Jahre darüber oder darunter. Am meisten verrät der Verlauf über mehrere Messungen.
Was deinen Abstand beeinflusst
Zu einem guten Teil dein Alltag. Eine Untersuchung an 4.173 Frauen der Women's Health Initiative und 402 Teilnehmenden einer italienischen Kohorte fand Zusammenhänge zwischen dem epigenetischen Alter und Ernährung, Alkoholkonsum, Bildung und Körpergewicht (Quach et al., Aging, 2017). Die Messung bildet also Faktoren ab, die du selbst beeinflussen kannst. Welche Gewohnheiten am meisten ausmachen, zeigt der Beitrag Lebensstil und biologisches Alter.
Dazu kommen kurzfristige Einflüsse rund um die Probenahme, etwa eine akute Infektion oder eine schlecht geschlafene Woche. Ein Teil der Unterschiede ist anlagebedingt. Notiere deshalb zu jeder Messung Datum, Verfassung und Besonderheiten der Woche.
Mehr als eine Zahl: was ein epigenetischer Test noch zeigt
Das biologische Alter ist nur einer von zwölf Werten aus sechs epigenetischen Bereichen: Körperalter, MethylPace, Entzündung, EpiVitality, Immunscore und Muskelschwund. Das Körperalter etwa zeigt getrennt, wie alt dein Gehör, deine Augen und dein Gedächtnis wirken. Aus derselben Speichelprobe kommen dazu DNA-Ergebnisse in 23 Kategorien.
Warum die zweite Messung am meisten verrät
Die erste Messung zeigt, wo du stehst. Die zweite zeigt, wohin du dich bewegst. Hast du an Schlaf, Bewegung oder Ernährung etwas verändert, macht erst der Vergleich sichtbar, ob es sich in deinem Methylierungsmuster niederschlägt. Miss dafür unter möglichst gleichen Bedingungen und mit demselben Verfahren.
Wo du heute stehst, zeigt der LIFETIME AGE & DNA-Test, mit Ergebnis sechs Wochen nach Probeneingang. Wie du das Ergebnis liest, erklärt der Beitrag Dein Alterstest-Ergebnis. Einen ersten Anhaltspunkt ohne Labor gibt dir unser Quiz zum biologischen Alter.
Quellen und Studien
Primärquellen, zuletzt geprüft am 28. September 2026.
- Horvath S. DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology. 2013;14(10):R115. doi:10.1186/gb-2013-14-10-r115
- Jylhävä J, Pedersen NL, Hägg S. Biological age predictors. EBioMedicine. 2017;21:29-36. doi:10.1016/j.ebiom.2017.03.046
- Marioni RE, Harris SE, Shah S, et al. The epigenetic clock and telomere length are independently associated with chronological age and mortality. International Journal of Epidemiology. 2016;45(2):424-432. doi:10.1093/ije/dyw041
- Quach A, Levine ME, Tanaka T, et al. Epigenetic clock analysis of diet, exercise, education, and lifestyle factors. Aging. 2017;9(2):419-446. doi:10.18632/aging.101168
- Referenzdaten der Tabelle: Gene Expression Omnibus (NCBI), Datensätze GSE78874, GSE149747, GSE280465, GSE61653 und GSE111165. Eigene Auswertung LIFETIME, September 2026.



